Hypnose und Hypnotherapie


Hypnose hat als eines der ältesten Heilverfahren eine lange Tradition und seine Bedeutung wird in der modernen Psychotherapie, Medizin und Zahnmedizin zunehmend wiedererkannt. Doch führt ihre magisch-mystische Vergangenheit heute noch häufig zu Vorurteilen. So wird angenommen, dass der eigene Wille in irgendeiner Form ausgeschaltet wird und die Kontrolle verloren geht oder aufgegeben werden muss. In der modernen Hypnotherapie geht es aber weder um  ″Über-natürliches″ noch um ″Showhypnose″, sondern darum, auf die helfenden und klärenden Kräfte des Unbewussten zu bauen, denn es bildet die Quelle ungenutzter Ressourcen. Rationales Denken kann den Lösungsspielraum begrenzen, dagegen reagiert der Organismus in Trance automatisch und ohne vernunftgesteuerte Analyse.  

Hypnose ist damit mehr als eine Behandlungsmethode. Sie ist eine Kommunikationskunst, die die Fähigkeit zur Trance nutzt, um neue Möglichkeitsräume zu eröffnen. Verborgenes wird hervorgeholt und sichtbar gemacht, Unbewusstes wird ins Bewusstsein gehoben. Es werden neue, kreative Wege erschlossen und die Selbstheilungskräfte aktiviert. Die Lösung der Probleme und die "Heilung" der Störungen vollziehen sich weitestgehend selbstorganisatorisch und frei von möglicher Fremdbestimmung durch den Hypnotherapeuten.

  

 

Was ist selbstorganisatorische Hypnose?

 

In den siebziger Jahren kam die strategische Hypnotherapie, die Milton Erickson aus der klassischen Hypnose entwickelt hatte, in Verbindung mit der Systemtheorie und der wissenschaftlichen Selbstorganisationstheorie. Vor diesem Hintergrund entstand schrittweise die selbstorganisatorische Hypnose.

Selbstorganisatorische Hypnose orientiert sich maximal am bewussten und unbewussten Lösungs- und Gestaltungspotenzial des Menschen und geht von der Annahme aus, dass Menschen in den meisten Fällen über einen ausreichenden Fundus an Erfahrungen verfügen, um ihre Probleme zu lösen, aber häufig an den Fixierungen des Alltagsdenkens scheitern.

 

Im Unterschied zur klassischen und teilweise auch strategischen Hypnose (= Erickson´schen Hypnose), bei denen der Therapeut zu glauben weiß, was für den Patienten gut ist, entwickeln selbstorganisatorisch orientierte Therapeuten so viel wie möglich aus und mit dem Patienten selbst, denn Selbstorganisation ist nichts, was man verordnen oder verschreiben könnte. Es ist das Prinzip des Lebens und der Evolution selbst - sowohl auf der physikalischen, als auch auf der biologischen und sozialen Ebene.

In der Hypnose wird das Prinzip der Selbstorganisation genutzt und die therapeutische Situationen so strukturiert, dass selbstorganisatorische Prozesse zu ihrem Recht kommen. Der Therapeut gibt Anstöße zur Neuordnung, die im Wesentlichen aus den Ressourcen des Patienten ermöglicht wird.

Dabei werden optimale Lösungen in der Psychotherapie und der Psychosomatik – aber auch im allgemeinen Leben – nur erreicht, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

 

- Bewusstsein und Unbewusstes sind gemeinsam auf das gleiche Ziel ausgerichtet.

- Im Unbewussten gibt es keine wesentlichen Widerstände gegen dieses Ziel.

- Das angestrebte Ziel und die erwünschten Lösungen stehen im Einklang mit der Vorstellungswelt der Person und dem familiären oder sozialen Bezugsfeld.

 

Hypnotherapie hat in den letzten Jahren große Verbreitung gefunden und es wurden vielfältige Anwendungsmöglichkeiten entwickelt. Hinter der Gestaltung des therapeutischen Kontaktes verbirgt sich ein bestimmtes Menschenbild, nämlich die Auffassung, dass ein Individuum die Ressourcen zur Veränderung in sich trägt und zumeist weder instruiert werden noch neu lernen muss, um körperliche und seelische Probleme zu lösen. Dies ist für einen Menschen in einer verzweifelten Lage kaum vorstellbar, deshalb wird das Unbewusste als Hilfsgröße eingeführt.

Der bewusste Verstand versperrt aber häufig den Weg zur Heilung, auch wenn er mit dem Ziel einverstanden ist. Deshalb lernt der Patient mit dem Unbewussten zu kommunizieren. Das Unbewusste selbst oder Teile von ihm werden hilfreich für die Therapie aktiviert, um Zugang zu den eigenen Ressourcen zu bekommen. Die therapeutische Kunst besteht darin, dem Patienten diesen Zugang zu öffnen und ihn dann seine eigene Lösung finden zu lassen. Der Therapeut selbst leitet den Heilungsprozess und achtet darauf, dass die Therapie konstruktiv verläuft - der Patient heilt sich selbstorganisatorisch mittels des Wissens, Könnens und der Kreativität seines eigenen Unbewussten.

 

Die Hypnotherapie ist ein Verfahren, bei dem das Individuum vorübergehend in einen veränderten Bewusstseinszustand (= hypnotische Trance) versetzt wird, in dem es ihm besser als im Alltagsbewusstsein gelingt, seine Ressourcen zu mobilisieren. Die gewohnheitsmäßigen Wertungen und Einschränkungen des Denkens werden durch bildhafte Verarbeitung von Informationen unterlaufen, selbstgesetzte Barrieren und gelernte Begrenzungen werden überwunden. Das Unbewusste kann frei von Alltagszwängen arbeiten und dann in seinem individuellen Tempo die unbewussten oder halbbewussten Lösungen in das Bewusstsein integrieren und eine langfristige Verbesserung der Symptomatik und Heilung erzielen.

 

 

Indikationen für Hypnose in der Psychotherapie

  • Essstörungen
  • Ängste
  • Depressionen
  • psychosomatische Störungen
  • posttraumatische Störungen
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Süchte und Abhängigkeiten
  • Schmerz (organisch, psychogen, iatrogen)
  • Aufmerksamkeits-/Verhaltensstörungen und Hyperkinesien bei Kindern

 

 

Hypnose in Coaching und Beratung

  • Persönlichkeitsentwicklung
  • Erfolgsmanagement
  • Lebens- und Berufsgestaltung
  • Sport/Leistungssteigerung